Psychotherapie – eine fremde Welt?

Ich und Psychotherapie?

Ich möchte mich hier an die Menschen wenden, die zwar Hilfe suchen, aber nicht sicher sind, ob sie das Richtige tun, wenn sie sich auf eine Psychotherapie einlassen. Wenn Sie das hier lesen, haben Sie sehr wahrscheinlich schon eine längere Zeit hinter sich, in der es Ihnen nicht so gut ging, wie Sie sich das wünschen. Sie haben sich aus eigenem Antrieb heraus oder aufgrund einer Empfehlung entschlossen, sich nach einer geeigneten psychotherapeutischen Behandlung umzusehen.

Sie haben damit einen sehr wichtigen Schritt geschafft, um aus einem für Sie belastenden Zustand wieder hinauszufinden. Die Entscheidung, sich nicht nur für den Körper, sondern für die Seele professionelle Unterstützung einzuholen, bedeutet, dass Sie angefangen haben, im positivsten Sinne an sich zu denken. In sehr vielen Fällen ist dies einer der wichtigsten Aspekte beim Beginn einer Psychotherapie: Sie beginnen, für sich selbst gut zu sorgen.

Möglicherweise haben Sie Bedenken, was in einer Therapie wohl mit Ihnen passieren könnte. Nachvollziehbar sind auch Befürchtungen, sich wie abgestempelt oder stigmatisiert zu fühlen. Bin ich denn „reif für die Klapse“? Das fragen sich viele, wenn ihnen erstmalig eine Therapie empfohlen oder angeraten wird. „Das passiert anderen, das ist ja auch ok. Aber mir darf das nicht passieren!“ „Das muss ich doch alleine schaffen.“

Müssen Sie? Kaum ein Mensch ist in der Lage, immer alleine mit schwierigen Lebensphasen zurecht zu kommen. Oft können gute Freunde und Familie einen auffangen. Es gibt jedoch Situationen, in denen es sinnvoller und entlastender ist, sich Hilfe außerhalb des Privatbereichs zu holen. Wenn das das Gefühlsleben etwas wäre, das man mit den Händen anfassen kann, dann würde es leichter fallen, anzunehmen, dass die Seele ganz genauso wie jeder andere Teil unserer menschlichen Existenz ein Recht auf fachlich fundierte Unterstützung hat, wenn sie erkrankt oder verwundet ist.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Akzeptanz für die Inanspruchnahme psychotherapeutischer Unterstützung erheblich verbessert, was auch an der Aufnahme verschiedener Verfahren in die Kataloge der Kassenerstattung erkennbar wird. Dennoch besteht häufig eine große Scheu, diesen Schritt zu tun. Einerseits vor sich selbst aus Angst, sich ein vermeintliches Versagen eingestehen zu müssen. Andererseits gegenüber der Gesellschaft, aus der tief verwurzelten Annahme heraus, als sozusagen hinkendes Mitglied womöglich ausgelacht, ausgeschlossen oder gar zurückgelassen zu werden.

Wenn es Ihnen so oder ähnlich geht, dann freue ich mich, dass Sie dennoch auf dieser Seite angekommen sind.